Kreisläufe und Kreislaufwirtschaft

Kreisläufe und Kreislaufwirtschaft

Seit über 4 Jahren ist der Naturcampus Teil des Ecosystems der Symworker (sym.eco). Ich beobachte die Veränderungen, die damit verbunden sind. Mit dem Naturcampus alias Frieding Permakultur ist ein Ort entstanden, an dem sich Menschen auf eine besondere Art verbinden und tolle Projekte umsetzen. Aber auch die persönlichen Veränderungen sind bei uns allen zu spüren. Achtsamkeit, Veränderung in Weltanschauung und Konsum. Langlebige Dinge anstelle schneller Konsum, Dorf- und Unverpacktladen. Und die Symworker haben ihren eigenen Garten auch in der Stadt auf dem Balkon.
Über all die individuellen Veränderungen entsteht nun wieder größeres verbindendes. Kreisläufe in der Wirtschaft. Ich bin gespannt, was alles in Zukunft entstehen wird. 🕺💚

Fokus-Prinzip für Kreisläufe: „Produziere keinen Abfall“

Dieses Permakultur Prinzip fordert auf, nur Dinge herzustellen oder zu nutzen, die nicht zum Entsorgungsproblem werden. Das führt dazu, dass beispielsweise bei der Gestaltung und Bewirtschaftung eines Gartens darauf geachtet wird, Kreisläufe herzustellen und Ressourcen optimal zu nutzen.

In einem Permakulturgarten sollte das Ziel sein, stabile und ausgeglichene Systeme anzulegen, die mit möglichst wenig Input von außen gesund bleiben und wenig oder keinen Abfall produzieren. Mischkulturen sind dafür ein gutes Beispiel. Zum Beispiel sollte bei der Gestaltung von einem Beet darauf geachtet werden, welche Pflanzen kombiniert werden und welche Bedürfnisse sie haben. Wie viel Wasser, Nährstoffe, Rank­­­möglichkeiten, Sonne/Schatten benötigen sie, damit sie optimal wachsen? Sind die benötigten Ressourcen im eigenen Garten etwa schon vorhanden, um einen Kreislauf herzustellen? So können z.B. die toten Blätter als Mulch verwendet werden, damit der Boden seine Feuchtigkeit behält und Nährstoffe gespeichert werden.  Ein weiteres klassisches Beispiel für einen geschlossenen Kreislauf ist ein Kompost im Garten.

Wirtschaft lernt von der Natur: Kreislaufwirtschaft

Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft ist sehr einfach und zugleich notwendig, um Wohlstand bei begrenzten Ressourcen zu ermöglichen. Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab, möglichst geschlossenen Zyklen von organischen- und technischen Ressourcen herzustellen. Dieses Prinzip ändert nicht nur wie wir Produkte oder Prozesse designen, es erweitert die Verantwortung von Unternehmen, öffnet neue Geschäftsmodelle und bietet viel Potenzial für Kreativität und Kooperation.

Dabei sollen Recycling oder energetische Verwertung die letzten Optionen sein. Das eigentliche Ziel ist es, die Lebensdauer eines Objekts möglichst zu verlangen und am Lebensende alle Rohstoffe zu verwerten, damit wie im Permakultur Prinzip kein Abfall entsteht. Hier sind einige Beispiele, wie dies Unternehmen oder Gemeinden gelungen ist.

Interface: Das amerikanische Unternehmen bietet modular gestaltete Teppichböden aus recycelten Materialien als Service an. Das heißt, ein Unternehmen können für ihre Standorte die Nutzung von Teppich mieten. Der Teppich besteht aus kleinen quadratischen Elementen, die einzeln ausgetauscht werden können. Interface übernimmt dabei Reinigung, Reparatur und schließlich das Recycling der Teppiche.

Bioenergiedorf Bollewick: Energie kann ebenso im Kreislauf entstehen. Die Gemeinde Bollewick in Mecklenburg-Vorpommern nutzt Nebenprodukte der Landwirtschaft, in der eigenen Gemeinde wie Gülle und Mais-Schalen, um daraus Strom und Wärme zu erzeugen, womit wiederum die Bewohner in der Gemeinde versorgt werden.

Mehrwegsysteme: Ein etabliertes Beispiel in Deutschland sind die einheitlich gestalteten Bier-, Saft- und Wasserflaschen aus Glas/ PET, die bis zu 50/ 20-mal wieder befüllt werden können, bevor sie recycelt werden.

Zero Waste – Was kann ich im Büro oder Zuhause tun?

Statt einfach zu kaufen, zu konsumieren und wegzuwerfen, kann jede/r Kreisläufe in den Alltag einbauen. Es existiert eine gewisse Hierarchie der verschiedenen Ansätze. Oft werden sie als die sieben R der Nachhaltigkeit bezeichnet.

01 RETHINK

  • Machst du bewusste Kaufentscheidungen? Kaufe nur Gegenstände, die du wirklich brauchst bzw. wenn du Ersatz brauchst – lasse dich nicht von dem Konsum anderer beeinflussen
  • Rege deine Umgebung und deine Lieblingsmarken an, neu über ihre Produkte/ Verpackungen zu denken

02 REFUSE

  • Was du nicht kaufst, wird nicht produziert.
  • Kaufe möglichst unverpackt ein z.B. Lebensmittel, Pflegeprodukte, Kleidung (im Laden statt online).
  • Nutze Leitungswasser, statt Wasser aus der Flasche.
  • Vermeide Einwegprodukte / Produkte, die nicht recycelt/ erneuert werden können.

03 REDUCE

  • Verleihe/leihe Gegenstände, die du selten nutzt (Werkzeug, Beamer, Auto/ Carsharing usw.).
  • Wahl von 2nd-Hand Ware reduziert Energie-, Wasser- und Materialverbrauch. Checke welche guten Secondhand Angebote es auf online Plattformen (z.B. ebay Kleinanzeigen, Mädchenflohmarkt, refurbed, AfB), oder bei lokalen Händlern gibt z.B. für Möbel, Deko, Elektronikgeräte.
  • Kaufe womöglich Reinigungs-/Lebensmittel in Großpackungen, um Verpackung zu vermeiden.
  • Bilde Fahrgemeinschaften, um Ressourcen zu sparen.

04 REPAIR

  • Gehe pfleglich und achtsam mit allen Dingen um.
  • Repariere Gegenstände, statt sie neu zu kaufen.
  • Nutze gezielt Dinge, die sich gut reparieren lassen oder deren Einzelteile austauschbar sind.

05 REUSE

  • Nutze Mehrwegbehälter, wenn du Kaffee kaufst oder vom Restaurant Essen mitnimmst.
  • Tausche Produkte in deinem Bekanntenkreis oder bringe sie zu Initiativen wie Weiße Rabe, Oxfam usw., um ihnen ein neues Leben zu schenken.
  • Werde kreativ und nutze Upcycling, um alte Gegenstände für einen anderen Zweck zu nutzen.

06 RECYCLE

  • Informiere dich über Recycling und achte auf die Hinweise auf den Verpackungen. Trenne die unterschiedlichen Teile voneinander (Papier, Alu, Glas, usw. und unterschiedliche Kunststoffarten).
  • Recycle deine Abfälle, egal wo du gerade bist: Zuhause, im Büro, oder im Auto.
  • Bringe nicht mehr nutzbare Gegenstände und gefährliche Stoffe zum Wertstoffhof.
  • Viele Laptop/Handyhersteller nehmen alte Produkte zurück, um sie zu recyceln.

07 ROT

  • Kompostiere! Verwandele organische Abfälle in nährstoffreiche Erde. Alle Städte in Deutschland bieten dafür Bio-Tonnen an.
  • Baue Zuhause selbst ein Kompost., z.B. mit einer Wurmkiste.
  • Hast du Pflanzen zuhause? Bananen und Eierschalen sind reich an Nährstoffe, die deine Pflanzen brauchen. Nutze sie als natürliche Dünger.

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